Das „Hungertuch 2021“ von Günter Reinhardt Verant - wort - ung

Ort: Pfarrkirche

Das „Hungertuch 2021“ von Günter Reinhardt Verant - wort - ung

Jedes Jahr in der Fastenzeit wird unser Hochaltar mit einem violetten Tuch verhängt. Dieses sogenannte Hungertuch verhüllt die Schönheit des Altares um sozusagen die Augen fasten zu lassen. In den letzten Jahren haben wir über dieses Fastentuch immer wieder Hungertücher gehängt, die das kirchliche Hilfswerk Misereor anbietet.

Dieses Jahr hat Günter Reinhardt exklusiv ein „Hungertuch“ gestaltet, das aus einer großen bemalten Papierbahn besteht.

Zur Person Günter Reinhardt: Er ist 1951 in Berlin geboren. Nach dem Besuch der Fachschule für Keramik in Landshut studierte er in München Kunst bis zum Diplom 1987. Seit 1981 ist er freiberuflich als Bildhauer, Keramiker und Grafiker tätig. Von 2004 bis zur Pensionierung 2018 war er außerdem Professor für grafisches Design und Mediendesign an der Technischen Hochschule Deggendorf. Günter Reinhardt hat sich schon mehrfach mit kirchlichen Themen beschäftigt. Unter anderem verfertigte er ein Kreuz für den Pfarrsaal der evangelischen Kirche.

Zum „Hungertuch“ Verant-wort-ung: Wie jedes andere Kunstwerk ist auch dieses eine Einladung zum Innehalten und Schauen. Lassen sie es auf sich wirken als Gesamtheit wie im Detail. Entdecken sie, was es zu sehen gibt - was sie überrascht und was sie befremdet. Es gibt wohl - wie bei jedem Kunstwerk - auch bei diesem so viele Möglichkeiten, es zu verstehen und Dinge herauszulesen wie es Menschen gibt, die es anschauen. Hier einige Anregungen:

  • Die Entwicklung des Menschen ist auch eine Entwicklung seiner Schrift. Aus den urtümlichen Zeichen im oberen Drittel der Papierbahn - die zum Teil genau so auf Felsenmalereien zu sehen sind - entstehen langsam Buchstaben und Schrift. Ganz unten schließlich sind Zeichenfolgen der digitalen Schrift von Computern zu sehen. Sie bestehen nur noch aus 1 und 0 (Strom oder kein Strom). Wirklicher Fortschritt?
  • der Schöpfungsbericht im Buch Genesis und der Prolog des Johannesevangeliums stellen das Wort in den Mittelpunkt. Es ist der Anfang; es ist schöpferisch; ohne das Wort ist Nichts. Wir sehen auf dem Papier am Hochaltar wie aus dem Durcheinander oben langsam Zeichen entstehen und schließlich erkennbare Buchstaben. Gottes Schöpfung, sein Wort beendet die „Irrnis und Wirrnis“ des Anfangs.
  • Im Buch Jesaja lesen wir (Jes 55, 10-11): „Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, ... so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ Gottes Wort ruft nach Antwort. Unsere Antwort. Die Antwort auf Gottes Wort ist unser verantwortetes Leben. Unsere Verant-wort-ung für das eigene Leben, das unserer Mitmenschen und die Bewahrung der Schöpfung.

Sebastian Nüßl, Diakon